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Nur Gewinner beim 20. Baden-Württembergischem Hallenturnier

Spannende Spiele, prächtige Stimmung und am Ende nur Gewinner

Samstag, 10.01.2026

SV Michelbach und Murgtal-Werkstätten zeigen auch bei der 20. Austragung, wie Inklusion funktioniert

BNN Bericht am Montag, 12.01.2026 von Anastasiia Romanova

Anton Mitzinger verfolgt die Spiele mit seinem Vater Karl-Heinz und Bruder Joschka. Für sein Team Bananenflanke Ortenau hat er eine Fahne gebastelt. Foto: Anastasiia Romanova

Gaggenau. „Die Mannschaft der Murgtal Werkstätten eröffnet den Torreigen“, verkündet Maxim Fuhrmann aufgeregt. Obwohl Maxi erst zehn Jahre alt ist, ist er schon ein erfahrener Stadionsprecher. Das baden-württembergische Hallenfußballturnier für Menschen mit Handicap ist für den jungen Mittelfeldspieler aus Hörden etwas ganz Besonderes. Seit Monaten freut er sich darauf, die Sportler mit Behinderung mit seiner Stimme zu begleiten.

Über 100 Fußballer aus 14 Mannschaften aus Karlsruhe, Pforzheim, Bruchsal, Bad Friedrichshall, der Ortenau und Freiburg treten am Samstagmorgen in der Jakob-Scheuring-Halle in Gaggenau-Ottenau gegeneinander an. Gespielt werden 32 Partien à zwölf Minuten. Seit mehr als 20 Jahren richten der SV Michelbach und die Murgtal-Werkstätten das Turnier gemeinsam aus – 2026 findet das 20. Jubiläumsturnier statt. Für Beate Rieger, die das Event seitens des Sportvereins mit aufgebaut hat, ist das ein Zeichen der „gelebten Inklusion“.

Sie sagt: „Von Jahr zu Jahr sehen die Menschen, was Sportler mit Handicap leisten können, und wir bekommen viel Freude zurück“. Riegers Mann Reiner, der erste Vorsitzende, ergänzt: „Vor 20 Jahren war das undenkbar. Damals waren die Menschen scheu und hielten Abstand. Heute jubeln alle zusammen.“ Sonja Huber sitzt für ihren 32-jährigen Sohn Daniel auf der Tribüne. Er spielt im Mittelfeld und manchmal steht er für das Team der Lebenshilfe Bruchsal auch im Tor. „Schön ist, dass sie sich sportlich messen und lernen, mit starken Emotionen wie Frust und Glück umzugehen. Das ist für diese Menschen extrem schwer“, sagt Huber.

„Nicht überall geht es so reibungslos“, betont die Mutter und lobt die Organisation in Gaggenau. Rund 50 Helferinnen und Helfer des SV Michelbach sorgen für einen perfekten Ablauf – auf dem Feld und an den Verpflegungständen. Nach dem Spiel freut sich auch Sonja Huber mit Sohn Daniel auf eine „Heiße im Weck“. Anton Mitzinger verfolgt die Spiele mit seinem Vater Karl-Heinz und Bruder Joschka – selbst in der Pause bleiben sie auf der Tribüne. „Fußball ist sein Leben“, erzählt der Vater über den 18-Jährigen. Für sein Team „Bananenflanke Ortenau“ hat Anton eine große gelbe Fahne gebastelt. „Es ist wichtig für die Sportler, sich zu zeigen. In all den Jahren hat das viele neue Fans gebracht“, sagt Karl-Heinz Mitzinger.

Wolfgang Zeller ist zum ersten Mal dabei. „Er ist unser Neuling“, sagt Sportlehrerin Nicole Wendling-Kraft. Als ehemaliger Motoballspieler ist ihm der Fußball besonders nahe – und obwohl er noch nicht lange dabei ist, schießt der 60-Jährige das erste Tor und sichert seinem Team so den Sieg. „Ich hätte das gar nicht von mir erwartet“, sagt er lächelnd. „Sport ist bei uns freiwillig, aber 95 Prozent machen mit“, erzählt Nicole Wendling-Kraft, die seit 40 Jahren mit Begeisterung unterrichtet. Angefangen hat sie als Sportlehrerin für Menschen mit Behinderung in Obertsrot, heute arbeitet sie in Rastatt. „Inzwischen gibt es neben Fußball auch Tanz, allgemeinen Sport, Entspannung und viele weitere Angebote“, ergänzt Monica Grässle, Sportlehrerin in den Murgtal Werkstätten Gaggenau-Ottenau.

Für den „geborenen Stürmer“ Tubay Cinkilic, wie ihn die Trainerinnen nennen, sind Tore kein Zufall, sondern fast schon Gewohnheit. In zwölf Minuten bringt er die Fans gleich zweimal zum Jubeln, mit einem Hackentrick erzielt er sogar den Treffer des Tages. „Man muss ein gutes Ballgefühl haben, stark und konzentriert sein“, verrät Cinkilic. Er spielt in der zweiten Mannschaft der Murgtal Werkstätten und ist seit 15 Jahren dabei. Seine Leidenschaft für den Fußball entdeckte der junge Mann mit türkischen Wurzeln als Sechsjähriger. Den ersten Turniersieg in der Pfalz ließ er sich sogar tätowieren. Inzwischen tobt die Tribüne. Fans fallen sich in die Arme. Besonders freut sich Erick Schön. Zwölf Jahre lang spielte er für die Mannschaft der Murgtal Werkstätten, war Kapitän, musste aber wegen Schulterproblemen aufhören. „Ich war ein total verrückter Fußballer – ich habe den Sport sogar vor meine Freundin gestellt“, erinnert er sich. Heute kommt er als Fan, um die Begeisterung zu spüren und den Kontakt zu seinen ehemaligen Mitspielern und Trainerinnen zu halten. Denn Tore sind hier nicht das Wichtigste. Es zählen das Miteinander und die gemeinsame Freude.

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